| Letztlich sind um einen Compiler herum geschriebene Bücher immer gefährlich - nur zu leicht gelingt es den Autoren nicht zu zeigen, was denn nun C++ und was Borland ist. Anders in diesem Werk von Richard Kaiser. Der Autor bewältigt den Spagat zwischen den Sprachelementen der VCL (Borlands Klassenbibliothek) und den in C++ vorhandenen Sprachmitteln sowie der STL vortrefflich. Unter dem Strich sehr gelungen, da man sowohl VCL als auch C++ mit diesem Buch lernen kann.
Der Autor startet gleich durch mit einem ersten Oberflächenprogramm - wobei auch die Installation des auf CD mitgelieferten C++ Builders erläutert wird. Danach werden die Begriffe der VCL-Komponenten erläutert und wie die visuelle Programmierung und Erstellung der Oberflächen mit dem C++-Builder abläuft.
Grundlagenkapitel über die Datentypen von C++ und spezielle Borland-Typen folgen danach, wobei sofort auch die Containerklassen der STL präsentiert werden. Recht geschickt werden dabei auch VCL-Klassen vorgestellt, damit sich die Inhalte der von C++ gelieferten Datenklassen graphisch darstellen lassen.
Die Programmierlogik von C++ folgt diesen Ausführungen, grundlegende Elemente wie Schleifen, Ausdrücke, Abfragen, aber auch das Exception-Handling werden präsentiert. Zur besseren Gliederung wird auch der Begriff der Funktion eingeführt, verbunden mit Parameterübergaben, lokalen und globalen Variablen.
Ein in vielen “neutralen” Büchern fehlendes Kapitel über statische und dynamische Bibliotheken (LIBs und DLLs) ergänzt die Grundlagen über Programmgliederung, bevor der Autor mit der objektorientierten Programmierung beginnt - die Begriffe der Objekte, Klassen und Vererbung werden erklärt. Dabei wird dies mit UML-Diagrammen und Design-Beispielen sehr schön deutlich gemacht.
Erneut ein Schwenk Richtung VCL, der grundlegende Aufbau Borlands Klassenbibliothek VCL und die Einbindung in das Windows-System folgen nun, bevor es mit Templates und den STL-Klassen tief ins Eingemachte von C++ geht.
Als Goodie folgt am Ende noch ein Kapitel über systemspezifische Dinge, die mit Hilfe der VCL unter Windows realisiert werden, wie zum Beispiel 3D-Grafik, serielle Datenübertragung und Datenbankanbindungen.
Insgesamt mit seinen 1100 Seiten ein määächtig dickes Buch in einem sehr hochwertigen Einband und Druck. Nicht gerade billig, aber sein Geld wert, vor allem weil man jederzeit den Eindruck hat daß die Gradwanderung zwischen C++ und Borlands Bibliothek gelingt, viele Beispiele aus allerlei Themengebieten, basierend auf sehr ausführlichen und detailreichen Erklärungen.
Für Anwender des Borland C++ Builders das Buch der ersten Wahl.
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