Wie alt ist die Computerprogrammierung eigentlich? Gefühlt - noch relativ jung. Aber schaut man auf den Zeitstrahl der Entwicklungen und Entdeckungen stellt man fest, daß inzwischen doch bereits 20, 30, 40 Jahre ins Land gegangen sind. Kein Wunder also, daß sich in letzter Zeit einige Verlage mit dem Thema der "Geschichtsschreibung" der Computergeschichte befassen, so auch der vorliegende Titel "Coders at Work", mit dem aussagekräftigen Untertitel "Bedeutende Programmierer und ihre Erfolgsgeschichten".
Der Autor hat 15 Interviews mit Programmierern geführt, die im Buch abgedruckt sind. Das ist vielleicht auch schon das größte Manko - es gelang Seibel zwar, die Interviews kurzweilig zu halten, und sie sind auch alle unterschiedlich aufgebaut. Auch erzählen die Gefragten offensichtlich sehr gerne über sich, ihre Programme und ihre Tätigkeiten - die Interviews sind durchaus kurzweilig zu lesen. Aber es bleiben eben 15 Interviews... und nach dem 8ten oder 9ten benötigt man als Leser etwas Durchhaltevermögen, eigentlich schade.
Die Liste der Interviewpartner klingt vermutlich nicht sonderlich vertraut. Nun gut, ein Donald Knuth ist auf jeden Fall ein Begriff, Ken Thompson kennt man noch, aber Brad Fitzpatrick? Dann beginnen wir anders herum, über welche Produkte und Programme wird erzählt? Und das sieht dann doch viel bekannter aus - vom Emacs ausgehend, dem Netscape Navigator, Ghostscript, Java, JavaScript, TeX - offensichtlich kennt man die Entwicklungen oft besser als die dahinter stehenden Köpfe.
Die Interviewten berichten darüber, wie die Projekte damals abgelaufen sind, welche technischen Probleme es gab, und berichten auch immer wieder von den Schwierigkeiten im Alltag. Auch geben Sie relativ viel Einblick in die Art und Weise, wie sie mit den obligatorischen Problemen der IT umgehen: fehlerhafte Tools, fehlerhafte Bibliotheken, und eigene Fehler. Jeder erzählt auch über seine eigenen Vorlieben, warum und aus welchen Gründen er bestimmte Sprachen bevorzugt oder ablehnt, und welche Dinge für Fehlentwicklungen gehalten werden. Besonders erstaunlich ist übrigens bei Allen, daß sie das "printf-Debugging" gegenüber Tools bevorzugen.
Der aufmerksame Leser kann hier viel Diskussionsstoff über die aktuellen Entwicklungen in der Softwarewelt finden und lernt dabei viel darüber, welchen Weg die Software bereits genommen hat.
Ein interessantes und lesenswertes Buch, das IT mal ganz neu vorstellt.
|