| Sehr oft sind gute Bücher zu UML oder UML 2 in Deutschland lediglich Übersetzungen von US-Autoren - aber wer sich ein wenig mit UML befasst, dem wird der Name (des leider inzwischen verstorbenen) Mario Jeckle durchaus bekannt sein, seine Webseite ist eine wichtige Anlaufadresse für Informationen zu UML und UML 2. Als Mitautor dieses Titels und Teilnehmer an der OMG kann man davon ausgehen, daß man als Leser hier Fakten aus erster Hand mitgeteilt bekommt.
Das Buch liegt nun in der 2. Auflage vor, und dies wurde nicht nur benutzt um das Buch einfach neu zu drucken, sondern die Autorencrew hat zusätzliche Informationen in den Titel gepackt und diesen um viele Seiten dicker gemacht.
Das Buch teilt sich wie alle Bücher zu UML in 2 Teile auf - zunächst wird die Geschichte von UML erzählt, danach folgen die Erklärungen sämtlicher Diagramme und viele Seiten mit Bildern. Aber das ist natürlich boshaft formuliert - werfen wir zunächst einen Blick auf das Inhaltsverzeichnis:
- UML 2 - Rückblick, Nabelschau und Ausblick
- Vorgehensempfehlungen
- Klassendiagramm
- Paketdiagramm
- Objektdiagramm
- Kompositionsstrukturdiagramm
- Komponentendiagramm
- Verteilungsdiagramm
- Use-Case-Diagramm
- Aktivitätsdiagramm
- Zustandsautomat
- Sequenzdiagramm
- Kommunikationsdiagramm
- Timing-Diagramm
- Interaktionsübersichtsdiagramm
Man kann also klar die Vorgehensweise erkennen, zunächst werden die statischen Diagrammtypen rund um Klassen und Objekte behandelt, sowie die Verteilung der Objekte und deren Zusammenhang im System. Im Anschluß befassen sich die Autoren mit den dynamischen Modellen, wobei das Verhalten des Gesamtsystems, das Verhalten innerhalb von Objekten und die Zusammenarbeit zwischen Objekten behandelt werden. Die Neuerungen seit UML 1.x werden ausführlich erläutert.
Neu in der 2. Auflage ist, daß die Autoren noch die Details erklären, die in einer UML-Zertifierungsprüfung (durchgeführt durch die OMG) in den Prüfungen abgefragt werden. Zu jedem Diagrammtyp gibt es noch einen eigenen Abschnitt, der sich jeweils mit zertifierungsspezifischem Wissen befasst.
Ebenso neu ist die Erweiterung des Abschnitts zum Zustandsautomat um einen umfangreichen Abschnitt, der die (Java-)Implementierung des Automaten und dessen Darstellung in UML aufzeigt. Das ist für den Leser auch daher interessant, weil die Umsetzung statischer Diagrammtypen (Klassen und Objekte) für jeden einigermaßen geübten Entwickler sehr leicht durchführbar ist, aber die Umsetzung der dynamischen UML-Modelle wird nur sehr selten an praktischen Beispielen gezeigt.
Wo liegen die Unterschiede dieses Titels zu anderen UML-Büchern? Zum einen werden die vielen Diagrammtypen sehr ausführlich und in mehreren Varianten dargestellt. Gerade UML 2 bringt eine ganze Sammlung an neuen Möglichkeiten mit, und oftmals bleiben gewisse Spezialitäten unbehandelt. Für die Diagramme gibt es jeweils Modellbeispiele, die dann in das entsprechende Diagramm umgesetzt werden. Dort wo es Sinn macht sind Diagramme auch in elementaren Programmcode umgesetzt, so daß man als Leser den Zusammenhang zwischen Code und Diagramm erkennen kann.
Das Buch ist sehr gut und flüssig lesbar und kann als Lehrbuch verwendet werden - durch seinen Aufbau und seine Ausführlichkeit ist es aber ebenso schön als Nachschlagewerk nützlich. Den Autoren ist es auch sehr gut gelungen solche Wortungetüme wie Interaktionsübersichtsdiagramm in einer Form zu verwenden, daß Beispiele und Buch zu jeder Zeit lesbar bleiben. Positiv zu erwähnen sei noch, daß auf den über 550 Seiten nicht ständig irgendein Tool erwähnt wird, das der Leser doch bitte dringend kaufen möge - die Autoren bleiben hier neutral und unabhängig, was bei vielen UML-Titeln leider nicht selbstverständlich ist.
Der Titel ist sicherlich ein Muß für alle, die UML 2 kennen lernen wollen oder in der Praxis einsetzen.
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