| Im englischsprachigen Original ist The Mythical Man-Month schon seit Jahren ein Renner - und ganz besonders interessant ist dies, wenn man sich mal das Datum der Erstausgabe ansieht: 1975. Da taucht die Frage auf, wie ein fast 30 Jahre altes Buch über Software-Engineering heute noch hilfreich sein kann, was soll da noch passen, wir haben doch inzwischen soviel bessere Computer, Tools und Sprachen?
Die erstaunliche Antwort ist: praktisch alles ist immer noch gültig. Für den Leser wird nach den ersten Kapiteln - vor allem wenn der Leser über Erfahrung in Softwareprojekten verfügt - rasch klar, daß wir seit 30 Jahren mit den gleichen Problemen und Schwierigkeiten kämpfen. Sprachen, Tools und Hardware mögen sich geändert haben, aber der Fortschritt auf dem Gebiet der Softwareentwicklung selbst, in Bezug auf die Organisation und typischen Probleme, ist kaum spürbar.
Bei einer so langen "Laufzeit" für ein Buch ist es wenig verwunderlich, daß einige von Brooks Erkenntnissen inzwischen Allgemeingut geworden sind. Z.B. solche Klassiker wie "verspätete Projekte verspäten sich durch das Hinzufügen von mehr Entwicklern noch mehr" (more men make late projects later), oder das Brooksche Gesetz mit Aussagen zur Komplexität der Kommunikation zwischen den Entwicklern in Abhängigkeit von der Gruppengröße - all diesen Dingen begegnet man im Buch wieder.
Wunderschön ist auch, daß inzwischen vom Autor noch 4 Kapitel zum Original hinzugefügt wurden, in denen er sich über neue Erfahrungen und Ergänzungen gegenüber dem Originaltext äußert.
Einige der behandelten Themen:
- Kommunikation im Entwicklerteam und Auswirkungen verschiedenere Teamgrößen
- Einige Ideen und Abschätzungen zum Begriff des Mannmonats und dessen Gefahren für die Zeitabschätzungen
- Die Idealbesetzung eines Entwicklungsteams
- Typische Konstruktionsfehler bei Projekten, die zu Verzögerungen und Terminüberschreitungen führen
- Die Zerlegung eines Projekts in Teilaufgaben, Gefahren dieser Vorgehensweise
Das Buch ist in seiner Zeitlosigkeit wirklich ein Grundlagenbuch, daß man gelesen haben sollte. Der Autor schreibt im Original locker und flüssig, was auch in der Übersetzung erhalten blieb. Ein schönes Lesebuch für alle Softwareentwickler.
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